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An alle, die sich für das Lehren und Lernen von Fremdsprachen interessieren!

Auf der Grundlage meiner beiden Fachdidaktiken (2018: Englisch und 2019: Französisch) erläutere und konkretisiere ich an dieser Stelle im Abstand von ca. 14 Tagen wichtige Aspekte der Digitalisierung sowie der Künstlichen Intelligenz und der Robotik. Die genannten Publikationen Teaching and Learning English in the Digital Age und Fachdidaktik Französisch – Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter liefern den theoretischen Hintergrund für das Lernen mit und über elektronische Medien im Rahmen bewährter Methoden.

Meine ab Mitte Juni 2019 folgenden Blogeinträge beziehen sich auf Schule und Unterricht, in erster Linie auf das Lehren und Lernen der Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch. In den Posts fokussiere ich stärker auf Unterrichtsbeispiele, als dies in den beiden genannten Publikationen möglich war. Hinzu kommt mein Bemühen, mit den anstehenden Entwicklungen – im Bereich der Technik selbst, aber auch mit Blick auf bildungspolitische Maßnahmen – einigermaßen Schritt zu halten.

Besonders ertragreich für uns alle werden meine Aktivitäten freilich erst dann sein, wenn es mir gelingt, mit Ihnen zu einem Erfahrungsaustausch in Kontakt zu treten:

Wenn Sie meine Blogeinträge kommentieren möchten oder Fragen haben, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Ich beantworte sie in jedem Fall und poste Zusammenfassungen und mögliche Empfehlungen an dieser Stelle.  

Zur Einstimmung lesen Sie bitte meinen kurzen Beitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung:
pdf"Digital lernen lässt sich auch ohne Ausstattung"909.16 kB

Informationen und Anregungen finden Sie auch im Zusammenhang mit dem vom Goethe-Institut im Juni 2019 organisierten Kultursymposium Weimar. Sein Motto lautet: Die Route wird neu berechnet: https://www.goethe.de/prj/kwe/de/index.html


Nächste Themen:

  • Analog vs. digital?
  • Angst vor smarten Maschinen?

Je länger ich mich mit dem Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter beschäftige, umso mehr gelange ich zur der Überzeugung, dass die derzeitigen Debatten zu kurz greifen.

Wenn Schülerinnen und Schüler in ihrem späteren Leben mit den Herausforderungen der ‚Digitalisierung‘ zurechtkommen sollen, müssen wir unsere Herangehensweise in mehrfacher Hinsicht ändern.

  • Digitalisierung bezeichnet eigentlich nichts anderes, als die Umwandlung vorhandener Daten (Texte, Bilder, Audio- und Video-Dokumente) in eine maschinenlesbare Form.
  • Wir sollten die Diskussion unaufgeregter führen. Pädagogik vor Technik? Wer stellt das in Frage?
  • Ausgewählte elektronische Medien sind – sinnvoll genutzt – eine Bereicherung des Unterrichts und nicht etwa der Ersatz für bewährte Ziele und Inhalte.
  • Es geht also nicht um ein entweder oder, sondern darum, bestmögliche Grundlagen für den Umgang mit elektronischen Technologien zu schaffen.
  • Digitale Medien sind auch in Zukunft nur ein Bestandteil von Schule und Unterricht, den wir nicht überschätzen sollten.
  • Je besser Schülerinnen und Schüler mit den herkömmlichen schulischen und lebensweltlichen Anforderungen vertraut sind, nämlich Lese- Schreib- und Rechenkompetenzen im kognitiven, soziale Kompetenzen im emotionalen Bereich, umso eher sind sie in der Lage, Nutzen und Gefahren der Digitalisierung einzuschätzen.
  • Mediendidaktik und Medienerziehung machen nur dann Sinn, wenn sie über die Digitalisierung hinaus auch Künstliche Intelligenz und Robotik berücksichtigen.
  • In manchen Zusammenhängen sind außerdem Aspekte der Informatik von Nutzen, ohne dass verpflichtender Informatikunterricht nötig ist.
  • Vor allem aber müssen wir sicherstellen, dass unsere didaktischen und methodischen Konzepte vom Vorschulalter bis zum Schulabschluss reichen und aufeinander aufbauen.
  • Ohne der Digitalisierung zu große Bedeutung beizumessen, sollten wir ihre rasante Weiterentwicklung im Auge behalten und unsere pädagogischen Maßnahmen entsprechend ergänzen.    

Auch diesmal beruht mein Unterrichtsvorschlag auf den Ausführungen in Teaching and Learning English in the Digital Age (S. 35, 122, 197, 203, 222 ff. sowie 329 und 331) und der Fachdidaktik Französisch. Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter (S. 16, 316 f. 407: Download zu Kap. 4 und 15).

Im folgenden Dialog setzen Nathalie und Alex ihr Gespräch fort. Nathalie bemüht sich, nicht mit Ihrem Wissensvorsprung aufzutrumpfen. Diesmal hat aber auch Alex einiges beizusteuern.

Alex:
Du, neulich hat mir ein Klassenkamerad erklärt, dass die Künstliche Intelligenz sehr gefährlich für Menschen werden kann.

Nathalie: 
Wie kommt er denn da drauf?

Alex:
Er hat von seinem Informatiker-Onkel gehört, dass smarte Maschinen bald die Herrschaft über uns übernehmen könnten. Wenn wir Glück hätten, würden die Roboter uns dann wie Hündchen halten.

Nathalie:
Das ist doch Unsinn! Natürlich kann man nicht mit Sicherheit sagen, wohin die Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten geht, aber bisher sieht es nicht danach aus.

Alex:
Hast du ein paar Gründe? Die könnte ich dann in der Klasse weitergeben.

Nathalie:
Klar, ich möchte doch gern, dass du … wie sagt man noch?

Alex:
Du meinst ‚glänzen‘?

Nathalie:
Ja, glänzen. Also zunächst einmal kann ein Roboter nur das, was man ihm beigebracht hat.
Ein glänzender Schachcomputer kann keine anderen Spiele spielen, denn er ist dafür nicht programmiert.  Überhaupt kommt es hauptsächlich darauf an, denjenigen auf die Finger zu gucken, die die smarten Maschinen programmieren.

Alex:
Ich habe irgendwo gelesen, dass sie sich jetzt bemühen, die Roboter menschenähnlicher zu gestalten.

Nathalie:
Ja, man versucht nicht nur Muskeln und Sehnen künstlich herzustellen, sondern sie auch sonst im Aussehen menschlicher zu machen. Lass uns mal gucken. (Sie gibt den Titel des TED Talks ein: Digital humans that look just like us von Doug Roble ein)

Alex:
Der sieht ja wirklich aus wie ein Mensch!

Nathalie (verblüfft):
Woran hast du denn gesehen, dass es ein Roboter ist?

Alex:
Die Mimik beim Sprechen ist etwas starrer und abrupter als bei einem Menschen.

Nathalie:
Ja, das habe ich dann später auch gesehen. Toll, dass du das gleich bemerkt hast.

Alex:
Und ich habe noch ein Bonbon für dich: An der Universität Marburg setzt ein Englisch-Professor zwei Roboter in seinen Vorlesungen ein: Nao und Pepper. Der eine geht während der Vorlesung umher und erklärt auf Zuruf das, was die Studierenden nicht verstanden haben. Der andere hingegen übernimmt in einer Form E-Learning die Vorlesung. Dann kann sich der Professor einzelnen Studierenden widmen.

Nathalie:
Wir sind doch gerade mitten im Semester. Könnten wir nicht einmal nach Marburg fahren? Ist das weit von hier?

Alex:
Das sind etwa dreihundert Kilometer, das müsste zu machen sein. Aber schau mal, es gibt jede Menge Sites im Internet zur Initiative des Professors; Jürgen Handke heißt er, glaube ich.

Nathalie:
Dann zeig‘ mir doch mal etwas.

Auch bei diesem Eintrag bietet sich eine Zusammenfassung der Hauptgedanken auf Englisch, Französisch oder Spanisch an. Als Impuls können Leitfragen dienen: Warum ist Nathalie der  Meinung, dass von Robotern keine allzu große Gefahr ausgeht? Welche Rolle spielen die beiden Roboter in den Vorlesungen des Marburger Professors? Eine weiterführende Frage kann sich auf den Einsatz von Robotern und anderen smarten Maschinen beziehen: Warum will man den Robotern ein menschlicheres Aussehen geben? (Alten- und Krankenpflege, verschiedene Bereiche der Medizin etc.). Dabei können fortgeschrittene Fremdsprachenlerner auch darüber diskutieren, ob eine solche Vermenschlichung Sinn macht und ethisch vertretbar ist.

Im Englischunterricht bietet eine Zusammenfassung des Romans von Ian McEwan (2019) Machines Like Me, einer Dreiecksgeschichte zwischen zwei Liebenden und einem Roboter, der bald die Oberhand über den männlichen Partner gewinnt. Das kann ein Anstoß sein, den Roman in Auszügen im Unterricht zu lesen.

TED Talks (Technology, Entertainment, Design) sind aus einer jährlich stattfindenden Konferenz in Monterey, Kalifornien hervorgegangen. Die besten der über 1000 Talks zu verschiedenen Bereichen werden auf der TED Talks Website kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie sind meist in über 20 Sprachen übersetzt, darunter immer auch Französisch und Spanische. Die Scripts kann man ausdrucken, um sie nach dem Anschauen (im Auszug) in der jeweiligen Sprache nachzulesen. Viele Talks kann man optional auch mit Untertiteln in der jeweiligen (Fremd-)Sprache versehen. Die Talks überschreiten in der Regel 18 Minuten nicht; die meisten sind kürzer. Gibt man beispielsweise Artificial Intelligence oder Robotics ein, findet man eine Liste der wichtigsten Vorträge zu diesen Themen.

Eine englische Fassung des obigen Dialogs können Sie per E-Mail bei mir anfordern: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Nach der Sommerpause geht es Mitte August 2019 weiter. Erfreuliche Zeiten!

Der folgende Unterrichtsvorschlag beruht auf Teaching and Learning English in the Digital Age (S. 198 ff., 228 f. sowie 329 und 331 f.) und Fachdidaktik Französisch. Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter (S. 17, 294, 318 f. und 399 f.):

Nathalie studiert im zweiten Semester Informatik an der Universität von Montreal, ihrer Heimatstadt. Außer Französisch und Englisch spricht sie auch Deutsch, denn ihre Mutter stammt aus Süddeutschland. Zurzeit ist Nathalie mit ihren Eltern zu Gast bei einer befreundeten deutschen Familie in Stuttgart. Alex, der Sohn dieser Familie, steht kurz vor dem Abitur und wird bald an der Technischen Universität Berlin Computerwissenschaft studieren. Nathalie und Alex haben also genügend Gesprächsstoff.

Nathalie:
Also, ich hab‘ heute von einer eurer Politikerinnen gehört, die sich über ein paar YouTuber aufregt. Sie fordert für die sozialen Medien die gleichen Regeln wie für die ‚analoge‘ Welt.

Alex:
Ja, und? Das ist doch verständlich nach der Schlappe bei den letzten Wahlen.

Nathalie:
So meine ich das nicht. Es geht mir um den Ausdruck ‚analoge Welt‘. Es gibt keine analoge Welt, sondern nur eine reale Welt.

Alex:
Bei uns ist aber oft von analoger Welt im Gegensatz zu digitaler Welt die Rede.

Nathalie:         
Es ist sicher so, dass die reale Welt zunehmend mehr durch die Digitalisierung beeinflusst wird. In der realen Welt gibt es beispielsweise analoge Geräte, die durch digitale ersetzt werden.

Alex:               
Das verstehe ich nicht so recht.

Nathalie:         
Stell‘ dir mal eine Uhr vor. Früher waren sie ausschließlich analog, heute sind sie meist digital. Du hast doch sicher mal eine dieser älteren Uhren mit Zifferblatt gesehen; da geht der Zeiger stufenlos von Minute zu Minute voran. Bei einer digitalen Uhr springt er von einer Minute zur nächsten.

Alex:               
Das heißt ja, dass nur analoge Geräte absolut exakt sind, oder?

Nathalie:         
Ja, aber das ist kein großer Nachteil im Vergleich zum Nutzen. Bei der Digitalisierung werden analoge Daten in ein computerlesbares Format gebracht, und zwar durch entsprechende Zahlenkombinationen…

Alex:               
Jetzt verstehe ich besser, was es mit diesen endlosen Reihen von 0 und 1 auf sich hat.

Nathalie:         
Ja …Algorithmen verwenden aber noch viel kompliziertere Rechenvorschriften, um stets das gleiche Ergebnis zu erzielen.

Alex:               
Also muss man gut mit digitalen Medien umgehen können, um die erwünschten Ergebnisse zu erzielen.

Nathalie:         
Exactement! Man braucht umfängliche Kenntnisse aus der realen Welt, um digitale Medien angemessen zu nutzen. Was mich an der Aussage der Politikerin so stört, ist die unsinnige Gegenüberstellung von realer Welt und elektronischen Technologien.

Alex:               
Du hast ganz recht: Auch einige an meiner Schule denken, dass man nur noch wissen muss, wo man irgendetwas im Internet findet.

Nathalie:         
Ja, viele verstehen nicht, dass digitale Medien auf dem vorhandenen Wissen und Können aufbauen und die Fähigkeiten der realen Welt nicht ersetzen.

Alex:
Letztlich sind also Befürchtungen unbegründet, Roboter oder Künstliche Intelligenz allgemein könnte den Menschen ersetzen.

Nathalie:         
Ganz recht, aber darüber reden wir ein andermal.                         

Im Unterricht bietet sich eine Zusammenfassung der Hauptgedanken des Dialogs in der jeweiligen Fremdsprache mit anschließender Diskussion an. Zusätzliche Informationen für Lehrende und Lernenden findet man im Internet (analog/analogical vs. digtal; analogique contra numérique; analógico vs. digital).

Die Lernenden können den Text auch im Rahmen einer Sprachmittlungsaufgabe umgestalten. Dazu muss die Lehrkraft den einleitenden Abschnitt entsprechend anpassen: Nathalie versteht Deutsch, aber ihre eigenen Beiträge sind entweder auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Je nach Lernstand können die Schülerinnen und Schüler den gesamten Dialog in der jeweiligen Zielsprache abfassen. Dabei geht es nicht um eine wörtliche Übersetzung, sondern um eine sinngemäße Übertragung.